Partnerbegegnung vom 10.6.-12.6.2016

Unsere Gästen aus Röpsen kamen am Freitagabend im Gemeindehaus in Weilersteußlingen an. Wir hatten ein tolles Vesper aufgetischt und allen hatte dies auch sehr gut geschmeckt. Nach dem Essen unterhielten wir uns angeregt und sangen zum Ausklang noch gemeinsam Lieder.
Der Samstagmorgen war zum Austausch in den Familien vorgesehen. Um 13 Uhr starteten wir zu einer Fahrt nach Blaubeuren. Eine "Züglesfahrt" in der Stadt stand in diesem Jahr auf dem Programm. Diese war sehr interessant, aber auch sehr nass, da es wie aus Eimern geschüttet regnete ! Unserer gute Laune hat dies aber keinen Abbruch.

Am Abend besuchten einige Gäste das Orgelkonzert von Herrn Tschitscherin in der Kirche in Weilersteußlingen. Pfarrer Thriemer und seine Frau gestalteten den sehr ansprechenden Gottesdienst am Sonntagmorgen. Beim gemeinsamen Kirchenkaffee im Pfarrhaus kam auch Pfarrerin Streib mit dazu. Nach dem Mittagessen brachen unseren Gäste wieder die Heimreise an.

Im nächsten Jahr reisen wir wieder zum Gegenbesuch nach Thüringen. Wir freuen uns schon !

 

Ein Bericht von Marion Dick

 

 

Vortrag über unsere Partnergemeinde Röpsen

Vortrag über unsere Partnergemeinde Röpsen beim Erntedankfest 2011.
Als Interview aufgeführt von Marion Dick und Georg Kürsammer.
Grüß Gott Georg. Heute wollen wir uns über Unsere Partnergemeinde Röpsen unterhalten. Ich hab gehört das du und deine Frau von Anfang an dabei wart. Wie war es denn?Georg: Ja, wir waren von Beginn an dabei. Das erste Mal besuchten wir unsere Partnergemeinde Röpsen im Mai 1990. Die Partnerschaft bestand allerdings schon viel früher. Solche Partnerschaften wurden Anfang der 80er Jahre von der Landeskirche Thüringen und Württemberg angeregt, konnten aber nicht mit Leben erfüllt werden, dem die Aus- und Einreisemöglichkeiten in die DDR waren sehr eingeschränkt. Kontakte in den Westen waren vom DDR-Regime nicht erwünscht. Nur vereinzelt waren Privatbesuche möglich. So erhielten die Röpsener einmal auf diesem Weg elektrische Leitungen für ihre Kirche.Marion: Weist du noch wie es war in die neuen Bundesländer zu fahren? Röpsen liegt ja in Thüringen einige Kilometer entfernt von Gera.Georg: Damals bestand die DDR noch als eigener Staat, die Wiedervereinigung war erst am 3.Oktober 1990. Alle Reiseteilnehmer waren noch mit Reisepässe ausgestattet, denn wir rechneten noch mit Grenzkontrollen. Mit etwa 20 Personen in Privat-PKWs erreichten wir den Grenzübergang Hof- Rudolfstein. Doch der Grenzübergang war nicht mehr besetzt. Wir konnten die Grenze passieren. Gleich dahinter schlossen sich die Grenzanlagen an ,die nun ihre trennende Funktion verloren hatten. Über die sich in sehr schlechten Zustand befindliche Autobahn erreichten wir Gera und schließlich Röpsen. Wir wurden von unseren Gastgebern herzlich begrüßt und aufgenommen. Unsere Gastgeber war die Familie Schulze- sie sind bis heute unsere Partnerfamilie geblieben .Zunächst ging es um das gegenseitige Kennenlernen mit der Vorstellung der beiden Gemeinden. Im GD hielt Pfarrer Börkircher die Predigt. Wir konnten spüren, wie die Menschen damals nach der Wende in Aufbruchstimmung waren und voller Erwartungen in die Zukunft schauten. Marion: Unser Pfarrer war damals Ernst Börkircher und wer war Pfarrer in Röpsen?Georg: Röpsen hatte damals eine Pfarrerin das war Frau Döring. Sie machte mit uns eine Stadtführung in Gera. Wir besichtigten unter anderem die Salvatorkirche und konnten auch einen Blick auf die ehemalige Stasizentrale werfen. Marion: lm Mai 1991 sind dann die Röpsener zu uns gekommen wie war das? Wahrscheinlich gab es viele Fragen?Georg: Mit ungefähr 20 Personen in Privat-PKWs (zum Teil. noch mit Trabbis und Ladas) waren die Röpsener erstmals in Weilersteußlingen zu Gast. Und wirklich , sie hatten Fragen über Fragen, vor allem zur Funktion des Wirtschaftssystems im Westen . Fragen in Sachen Geld , Anlageformen, Sparformen und Versicherungen. Als Fachleute standen ihnen Heinz Rattunde und Werner Ruoß Rede und Antwort. Bei einem Besuch im Rathaus Allmendingen stellte sich BM Spitzmüller den Fragen der Gäste zum Aufbau und zur Verwaltung der Kommune und gab ihnen Ratschläge. In Gesprächen und beim Gemeindeabend im Gasthaus Löwen äußerten sich die Röpsener glücklich über die neu gewonnene Reisefreiheit und Meinungsfreiheit. Sie begrüßten die Einführung des Religionsunterrichts in den Schulen. Es gab aber auch Stimmen die sich Sorgen um den Abbau von Arbeitsplätzen machten. Neben den ernsten Themen kam aber auch bei diesen Treffen das Gesellige nicht zu kurz. Dias von Röpsen, Lieder und Gedichte trugen zur Unterhaltung beim Gemeindeabend bei.Grundsätzlich bei allen Treffen hält der Gastpfarrer im GD die Predigt Heute wie damals. Damals war es Pfarrerin Döring. Marion: Im nächsten Jahr seid ihr im September 1992 nach Röpsen gefahren. Ich habe Bilder gesehen da waren ganz viel Leute dabei auch viele Jugendliche?Georg: Ja damals machten wir uns mit einem Bus mit 30 Personen davon 15 Jugendliche auf den Weg nach Röpsen. Unser Fahrer war Hans Paal. Jeder Jugendliche kam in eine Gastfamilie mit gleichaltrigen Kindern. Die Begegnung stand unter dem Thema "Gemeindeaufbau". Auch die Begegnungen in den folgenden Jahren wurden unter ein Thema gesetzt bis Heute. Während die Erwachsenen sich in Roschütz (Nachbargemeinde von Röpsen) mit dem Thema auseinandersetzten , taten dies die Jugendlichen im Jugendclub der evangelischen Gemeinde in Gera mit dem dortigen Jugendpfarrer. Dabei traten auch Unterschiede zwischen Ost und West zu Tage. In den Gemeinden im Osten ist sehr viel im Umbruch, in Bewegung. Trotz der tragenden Rolle der Kirche , die zum Zusammenbruch der DDR führte gibt es mehr Distanz zur Kirche als im Westen. Von den ca. 300 Einwohnern Röpsens sind weniger als die Hälfte Mitglied der Ev. Kirche, der Rest gehört keiner Konfession an. Das Wichtigste für die Bürger sind Arbeitsplätze und wirtschaftlicher Anschluss. Einig war manisch darüber , dass in Zukunft die Leitung der Gemeinden nur mit Hilfe von Ehrenamtlichen gelingen kann.Marion: Im Jahr 1994 seid ihr im Juli nach Röpsen gefahren. Hattet ihr immer ein Thema für eure Begegnung?Georg: Damals war das Thema "Familie". Wieder waren viele Jugendliche dabei. "Auf dem Saal" so heißt der Gemeindesaal vom früheren Pfarrhof wurde das Thema in Gruppen bearbeitet und diskutiert. Grundsätzlich waren die Partnerschaftstreffen so organisiert. Freitagabend: Empfang mit gemeinsamen Abendessen. Samstagvormittag Arbeitssitzung zum Thema, nachmittags: Ausflüge in die nähere oder weitere Umgebung und abends: Gemeindefest. Sonntag: Gemeinsamer GD, Mittagessen und Verabschiedung. 1994 führte uns der Ausflug nach Bad Köstritz bekannt durch das Schwarzbier. Dort besuchten wir das Heinrich-Schütz-Haus ein Komponist. Die Jugendlichen tummelten sich derweilen im Freibad. Das Gemeindefest im ehemaligen Pfarrgarten wurde vom Posaunenchor musikalisch umrahmt. Bei Gesprächen, gemeinsam gesungener Lieder und natürlich mit original Thüringer Roster wurde und die Geselligkeit gepflegt. In dieser Form läuft das Gemeindefest auch bei Begegnungen heute noch ab. Dazu kommt seid Jahren noch Gerd‘s Schwedenfeuer. Sorgen bereiten den Röpsenem auch die zunehmende Arbeitslosigkeit (18%) aufgrund der Umstrukturierung in der Wirtschaft und Landwirtschaft. Großfirmen in Gera wurden geschlossen und LPGs umstrukturiert.Marion: 1995 habe ich erstmals von der Begegnung gehört. Rose Geprägs hatte mich wegen Vorbereitungen in der Halle gefragt. Natürlich habe ich mitgeholfen hatte aber zu der Röpsenern keinen Kontakt erst 4 Jahre später.Georg: 1995 konnten wir erstmals unsere neue halle für unsere Begegnung nutzen. Das Thema dieses Treffens war zweigeteilt: Arbeitslosigkeit und 50. Jahrestag des Kriegsendes. Im GD stand das Ende des 2. Weltkriegs im Mittelpunkt. Der Ausflug führte uns nach Blaubeuren und war verbunden mit einer Klosterführung Mit einem bunten Abend in der Gemeindehalle sollte die Geselligkeit gepflegt werden. 40 Gäste waren gekommen. Zur Unterhaltung trug der Kirchenchor und der Kirchengemeinderat Lieder und Sketche vor und es gab schwäbische Gedichte. Marion: Seit 1990 gibt es jedes Jahr eine Begegnung. Gab es auch ein Jahr ohne Treffen?Georg: Bis 1996 hatten wir jedes Jahr eine Partnerbegegnung. 1997 fiel sie aus , weil unsere Pfarrstelle nicht besetzt war. Pfarrer Börkircher der sehr, sehr viel für die Partnerschaft getan hatte und sie auch in Gang gebracht hatte trat seinen Dienst in der Telefonseelsorge in Stuttgart an. 1999 erging es den Röpsenern ebenso. Sie hatten keinen Pfarrer, weil Frau Döring bereits 1998 eine neue Gemeinde übernommen hatte. Außerhalb einer offiziellen Partnerbegegnung fuhren wir mit 15 Personen am 7.12.97 zur wieder Einweihung der restaurierten Trinitatiskirche in Röpsen. Zur Sanierung ihrer Kirche erhielten die Röpsener auch finanzielle Unterstützung aus Weilersteußlingen. Marion: Wie ging es den mit der Partnerschaft nach Pfarrer Börkircher weiter?Georg: Die Nachfolgerin Frau Oehme führte die Partnerschaft tatkräftig weiter und konnte im Juni 98 die 25 Gäste (ohne Pfarrer) begrüßen. Die Zahl der Gäste war etwas zurückgegangen. Die Strukturveränderungen im Osten haben auch Spuren in der Kirchengemeinde hinterlassen. Die Jungen ziehen weg wegen der Arbeitslosigkeit, Überalterung der Bevölkerung und Rückgang der Bevölkerungszahlen. Die Röpsener berichten in der Arbeitssitzung mit dem Thema “Gemeinde" von ihren Schwierigkeiten im Gemeindeleben. Neben der politischen Gemeindereform steht auch eine Kirchliche Reform an. Ein Ausflug ins Landesgestüt Marbach und der Gemeindeabend mit Liedern Sketchen und Gedichten hat sie sicher ihre Sorgen für kurze Zeit vergessen lassen.Marion: Im ersten Jahrzehnt hat sich die Partnerschaft sehr gut entwickelt. Wie ging es den nach dem Jahr 2000 weiter?Georg: Nachdem die Röpsener nach 2 jähriger Vakanz wieder eine Pfarrerin hatten kamen sie im Jahr 2000 mit 22 Leuten nach Weilersteußlingen. Pfarrerin Schwarz und Pfarrerin Oehme verstanden sich gut und führten die Partnerschaft in den folgenden Jahre regelmäßig fort. Frau Oehme sagte damals: Auch wenn sich 10 Jahre nach der Wende vieles relativiert hat, ist es wichtig die Beziehungen weiter zu pflegen. Die Einheit könne schließlich vor allem durch persönliche Kontakte erreicht werden. Weitere Bestandteile des Austausches seien auch 2 theologische Themen und Gespräche, Gegenseitige Anregung, Gegenseitig Mut machen und Geselligkeit. Es ginge nun zu weit auf alle Treffen einzugehen, die ohne Unterbrechung von 2000-2011 stattgefunden haben. Ich möchte nur noch in Grundzügen auf die Entwicklung der Partnerschaft in den letzten 10 Jahren eingehen. Auch unter Pfarrer Haller und seit diesem Jahr Pfarrerin Streib, blieben und bleiben diese Begegnungen mit Röpsen ein fester Bestandteil im Jahresrhythmus des Gemeindelebens. Das galt ebenso für die Röpsener mit Pfarrer Volbrecht und seit 2 Jahren mit Pfarrer Thriemer wobei die Pfarrer unserer Partnergemeinde neben Röpsen noch 4-5 weitere Gemeinden zu betreuen haben Gemessen an der Zahl der Teilnehmer ging die Beteiligung und das Interesse an den Partnerschaftsbegegnungen in den letzten Jahren auf beiden Seiten zurück .Von ehemals 40 Personen waren es zuletzt nur noch 10, Mit Pfarrerin Streib waren wir in diesem Jahr mit 15 Teilnehmern in Röpsen. Aber für diesen Rückgang gibt es natürlich auch Gründe: Viele ehemalige Teilnehmer sind in die Jahre gekommen und können nicht mehr Reisen, bisherige Partnerfamilien sind weggezogen. Die Zahl der Jungen Leute geht zurück.

 

Marion: Seit dem Jahr 2002 sind auch wir regelmäßig nach Röpsen gefahren oder haben von der Partnerfamilie Besuch bekommen. Ich fand und finde diese Begegnungen sehr gut. Die Probleme aus den neuen Bundesländern konnten wir aus erster Hand direkt erfahren. Wie ging es dir damit?



Georg: Ich glaube dass ich durch den direkten Kontakt mit den Menschen ein klareres Bild von ihrer Lage und ihren Problemen bekomme, als wenn ich davon nur über die Medien erfahre. Und mit Sicherheit trägt das unmittelbare Bild mehr zum gegenseitigen Verstehen bei.



Marion: Der Aufbau nach dem Mauerfall war enorm. Die Kulturgüter, wie Schlösser und Burgen, haben die Leute sehr schön hergerichtet und wir haben ja schon vieles sehen können. Wenn wir auf Besuch kommen lassen die Röpsener sich immer etwas neues Einfallen zum Anschauen.



Marion: Wie haben dir denn die Domburger Schlösser gefallen?



Georg: Sehr gut. Das war vor 2 Jahren dort wo Goethes Handschrift am Fenster zur Saale mit dem "Lied an den Mond" zu sehen ist. Ja, es wurde und wird im Osten neben den großen Infrastrukturmaßnahmen (Straßenbau, Stadtsanierung, Energieversorgung) auch sehr viel zur Erhaltung von Kulturgütern getan. Und davon bekommen wir bei jeder Begegnung eine Kostprobe zu sehen. Das Gebiet zwischen Unstrut, Saale und Pleiße: Beispiele sind das Otto Dix Haus in Gera, Stadt Altenburg mit Schloss und einer großen Silbermannorgel, Burg Posterstein und 2007 die BUGA in Gera und Ronneburg, hier besonders beeindruckend die Neugestaltung des Geländes der Wismut wo früher Uranerz abgebaut wurde. So wie die Röpsener konnten auch wir unseren Gästen Sehenswürdigkeiten aus unserer Heimat zeigen. Wir waren in Bad Urach, Biberach, Bad Buchau, Ehingen Museumsdorf in Ödenwaldstetten und in Oberstadion. Auch das gehört, neben den ernsten Themen, zur Pflege der Partnerschaft.



Marion: Wie hat sich den das Dorf Röpsen in den letzten 20 Jahren verändert?



Georg: Wenn ich mich an unser erstes Treffen 1990 erinnere, so lässt sich heute sagen: es hat sich viel zum Guten verändert. Aus dem früheren grau in grau der Häuser sind schöne farbige Fassaden entstanden. Viele Leute haben ihre Häuser saniert. Zum Teil sind auch Strassen und Wege erneuert worden. Röpsen wurde an das Gasversorgungsnetz angeschlossen ebenso an die Wasser- und Abwasserversorgung. An älteren Gebäuden ist noch erkennbar dass hier einmal bäuerliche Landwirtschaft betrieben wurde, daraus wurden zu DDR Zeiten zwangsweise die LPGs, aus denen sich nach der Wende meistens Großbetriebe mit neuer Organisation und Eigentumsreform entwickelt haben. Ähnlich ländlich strukturiert wie wir hier bietet Röpsen selbst kaum Arbeitsplätze. Die Menschen müssen zur Arbeit nach Gera oder noch weiter weg fahren.



Marion: Ihr habt jetzt ganz viel von der Partnerschaft gehört. Im Hintergrund sind Bilder gezeigt worden und da konntet ihr sehen, dass es immer sehr schöne Begegnungen waren. Wir hoffen, dass wir Interesse geweckt haben für zukünftige Begegnungen. Wir hoffen auf eure Mithilfe die Partnerschaft zu unterstützen. Diese Partnerschaft mit Röpsen muss weiter erhalten bleiben, da sonst eine wichtiger Punkt in unserem Gemeindeleben fehlen würde.